Scrum-Boards in der Schule

Nun sollte es also auch mit den Boards losgehen. Zunächst hatte ich für je zwei Teams ein Board vorbereitet, weil es ja je zwei Teams gab, die zu einem Thema gearbeitet haben. Da die Zeit für die Projekte mit drei Terminen relativ überschaubar war, rechnete ich nicht mit allzu vielen Aktionsnotizen.BoardBeispielAnonymKl.png

Zunächst ging es darum, eine „Story“ zu finden. Also eine Aufgabe mit einem konkreten Ziel zu überlegen. Gerade die Spieleentwickler hatten hier zu Beginn sehr hohe Ansprüche und wollten beispielsweise ein Snake-Spiel nachprogrammieren. Dazu fehlten ihnen jedoch eine Reihe von wesentlichen Kenntnissen. Die Lernenden haben im Prozess selbst erkannt, dass es ihnen in der verbleibenden Zeit nicht möglich ist, solch ein „komplexes“ Spiel zu programmieren. Sie änderten im Verlauf also ihr Ziel und implementierten schließlich verschieden Rate- und Quizspiele. Und wie lief´s nun mit den Boards?

Unterschiedlich. Grundsätzlich wurden die Boards von allen Teams genutzt. Die Formulierung der einzelnen Aufgaben aus den Storys (Zerlegen der gesamten Aufgabe in Teilaufgaben, die sich im Idealfall sogar noch arbeitsteilig bearbeiten lassen) fiel allen Gruppen ziemlich schwer. Oft wurden noch relativ allgemeine Aufgaben formuliert (z.B. „Roboter umbauen“, „Roboter programmieren“ oder „zu Hause dran arbeiten“. Hier bin ich gerade auf der Suche nach Möglichkeiten, die Lernenden beim „runterbrechen“ der Aufgabenstellung zu unterstützen. Ich denke hier zunächst an Leitfragen oder etwas ähnliches, vielleicht auch ein konkretes Beispiel.

Mit der Aktualisierung der Boards (jede Teilaufgabe durchläuft hier visualisiert mit einer Haftnotiz die Phasen toDo, Doing und Done) sind die Teams auch unterschiedlich umgegangen. Während manche nur auf Nachfrage aktualisiert haben, sind andere mehrmals während einer Arbeitsphase selbstständig zu ihrem Board gegangen, um Teilaufgaben hinzuzufügen oder „weiterzuschieben“. Für mich heißt das: Noch konsequenter sein und bei der Einführung der Methode noch mehr auf den Nutzen der Transparenz für das ganze Team und die ganze Klasse hinweisen, denn Retrospektiven, in denen das aufgearbeitet werden könnte gab es hier nur eine überhaupt. Ansonsten lässt sich vielleicht auch mit Lerngruppen, die länger mit dieser Arbeitsform arbeiten sollen viel aus der Erfahrung der Teams selbst (in Retrospektiven) lernen und Schritt für Schritt verbessern.

Überraschend war, dass fast alle Teams Strukturen und Funktionen in ihre Programme eingebaut haben, die wir noch nicht annähernd im Unterricht behandelt hatten und die ich im traditionellen Unterricht erst viel später eingeführt hätte. Durch eigene Recherchen hat eine Gruppe z.B. den komplexen Aufbau einer GUI ohne programmtechnische Hilfe umgesetzt. So etwas hatte ich bisher noch nie von meinen Lernenden erwartet, sondern Editoren wie bspw. den Window-Builder dafür genutzt.

Mit den Boards ist eine Gruppe besonDoingVerzweifeln.jpgders kreativ umgegangen und hat nicht nur fachliche Teilaufgaben, sondern auch den gerade herrschenden Gemütszustand dokumentiert:

 

Insgesamt ist meine Erfahrung, dass Scrum mit all seinen Elementen doch schon ziemlich komplex ist und sich auch nicht alles immer 1:1 im Unterricht übertragen lässt. Alles auf einmal ist denke ich etwas viel für die Lernenden – und auch die saubere Einführung der einzelnen Elemente auf einen Schlag macht aus meiner Erfahrung nicht viel Sinn: Es sind viele Dinge, die für die Lernenden neu sind, ggf. auch noch mit vielen unbekannten Begriffen (Board, Akzeptanzkriterien,…), zum anderen gibt es so auch erst eine lange, lehrerzentrierte Info-Phase, die zudem noch eher abstrakt sein kann und von der motivierenden Planungs- und Programmierarbeit abhält.

Für die Zukunft nehme ich mir also vor:

  • Scrum-Elemente Schritt für Schritt einführen, auch wenn die einzelnen Phasen zunächst nicht optimal umgesetzt werden können, z.B. mit SMART bei der Formulierung des Projektziels helfen, aber noch keine näheren Vorgaben zu Akzeptanzkriterien machen.
  • Die eingeführten Methoden und Regeln konsequent umsetzen und den Lernenden dabei konkret helfen (z.B. durch Erinnern).
  • Dinge, die im Prozess erst später kommen (z.B. daily meetup, Retrospektive) erst dann erklären, wenn sie dran sind).

Im nächsten Post geht es um unsere erste Retrospektive, bis dahin freue ich mich auf kritische Fragen und konstruktive Hinweise in den Kommentaren:-)

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2 Gedanken zu “Scrum-Boards in der Schule

    • Hallo Norman,
      danke für deinen Kommentar und die Nachfrage. Das Projekt fand so am Ende des Halbjahres statt als alle Noten schon feststanden, deshalb die große Freiheit bei der Themenwahl. Vorher lief der Unterricht auch schon Großteils in Gruppenarbeiten mit einigen Wahlfreiheiten. Dabei haben wir auch schon Mahara zur Sammlung der Ergebnisse genutzt. Von den Agilen Methoden erhoffe ich mir eine Entwicklung von der Gruppenarbeit hin zur echten Teamarbeit mit (noch) mehr Verantwortungsübernahme und Kooperation. In einer anderen 11.Klasse bin ich inzwischen ähnlich weit und werde in Kürze auch davon berichten, dann vielleicht auch mit noch mehr Fach-/ Lehrplanbezug. Dort geht es um den Kurs Datenverarbeitung, z.Zt. mit Tabellenkalkulation als Schwerpunkt. Soweit mal, liebe Grüße, Markus

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