Konzept zum Einsatz von Web 2.0-Tools im neuen Schuljahr

Auslöser:

Bisher habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, eine Lernplattform (moodle) zum Zusammenführen von Inhalten (von mir bereitgestellte Infos und Aufgaben und Ergebnisse der SuS) zu nutzen. Daher möchte ich auch im kommenden Schuljahr wieder moodle-Kurse zur Unterstützung des Unterrichts nutzen. Meine Erfahrung zeigte jedoch auch, dass SuS die Möglichkeit zum Austausch in Foren nur selten (z.B. kurz vor Klassenarbeiten) nutzen. Meine Vermutung ist, dass hier das Nachrichten- und Kommentarsystem von moodle einfach zu träge ist. Die SuS sind „Echtzeitmeldungen“ aus ihren sozialen Netzwerken gewohnt und erwarten entsprechend schnelle Antwortzeiten. Zudem müssten sie sich immer extra in moodle anmelden, um auf eine Frage antworten zu können. Hier möchte ich Möglichkeiten erproben, um den SuS hier eine schnelle, organisierte Austauschform zu bieten.

Die Alternativen:

1) google+

Die Community google+ habe ich erst im web2.0-Kurs kennengelernt. Zwar sieht sie auf den ersten Blick wesentlich cooler und bunter aus als moodle, allerdings bin ich selbst mit der angelegten Struktur (z.B. Bereich Vorstellung…) nicht gut zurecht gekommen. Das Taggen und sortieren in Bereiche mag eine Hilfe sein, allerdings sind mir die gebotenen Ansichten einfach zu wirr und unübersichtlich. Auch das Anmelden bei google kann ich zwar empfehlen, aber ich möchte es nicht bei allen SuS zur Bedingung machen.

2) Facebook/ Whats App

Die Plattformen, auf denen sich meine SuS momentan am liebsten und intensivsten tummeln. Ein starkes Argument ist, dort zu sein, wo auch die SuS sind. Bei Facebook fürchte ich jedoch das gleiche Handicap wie bei google+, nämlich heilloses Durcheinander. Mir ist wichtig, dass die SuS auch noch mit einigem zeitlichen Abstand ihre Fragen und Antworten nachlesen können (z.B. nach 2 Jahren bei der Abiturvorbereitung). Auch bei Whats App, dass ich seit einiger Zeit privat nutze sehe ich diese Möglichkeit nicht.

3) WordPress

Die von René Scheppler vorgestellten Möglichkeiten des Blogs WordPress in Verbindung mit dem Plugin BuddyPress scheinen mir eine mögliche Lösung. Hier die Vorteile, die mich überzeugen:

  • Die Plattform lässt eine geschützte Nutzung zu, bietet aber auch Möglichkeiten zur Öffnung
  • Die Beiträge werden chronologisch und gut strukturiert abgelegt, sie lassen sich Taggen und mit der Suche leicht finden
  • Die Kommentarfunktion ist leicht bedienbar
  • Die Beiträge sind nicht überall im Netz verteilt, sondern lassen sich bündeln (für mich zur Kontrolle sehr wichtiger Punkt)
  • Die Plattform lässt sich auch mobil unkompliziert und schnell nutzen

Konkrete Idee zur Umsetzung:

Für meinen Datenverarbeitungskurs im kommenden Schuljahr (berufliches Gymnasium) möchte ich eine WordPress-Installation mit buddypress auf einem eigenen Webspace, in D gehostet, aufsetzen.

Die SuS sollen dort im kommenden Schuljahr einen eigenen Blog einrichten und diesen als Lernjournal nutzen. In diesem Lernjournal sollen sie regelmäßig (Vorgabe: mindestens 2x pro Monat) einen Beitrag zu ihrem Lernfortschritt verfassen. Sie können dabei (be)schreiben, woran sie gerade arbeiten, was ihnen gut gelingt, und auch, wo sie gerade Schwierigkeiten sehen.

Darüber hinaus sollen sie auch ihre Lernprodukte in einem Blogbeitrag veröffentlichen und erklären. Hier möchte ich den SuS im kommenden Jahr viel Freiraum bei der Gestaltung geben. So sollen sie die Form der Darstellung ihrer Ergebnisse selbst wählen können und z.B. auch eigene Videos, powtoons, prezis oder sonstige Web2.0-Dienste (Übersicht z.B. in der LPlus-Toolbox) nutzen können. Selbstverständlich können sie dabei auch schriftliche Ausarbeitungen verfassen oder z.B. ein Plakat gestalten. Besonders wichtig ist mir hier, dass sie ihr Ergebnis mit einer Beschreibung versehen, die auch die Auswahl des Tools/ der Methode beinhaltet. Die gestellten Aufgaben werden Projektcharakter haben und sich über einen Zeitraum von etwa 4 Wochen erstrecken. Auch dies ermöglicht den SuS Flexibilität und die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema und lässt Zeit für die Erstellung der Lernprodukte.

Über die Kommentarfunktion können sie sich gegenseitig Feedback geben (Vorgabe: mindestens 3 smarte Feedbacks pro Monat).

An zentraler Stelle versuchen ich, eine Möglichkeit zu schaffen (z.B: als zusätzlicher Blog für alle), in der aktuelle Fragen gestellt und beantwortet werden können. Hier erhoffe ich mir von der mobilen Unterstützung schnellen und einfachen Zugang zur Plattform, sodass das Stellen und Beantworten von Fragen für die SuS attraktiver wird.

Um Wertschätzung und Motivation hier zu erhöhen werde ich Fragen und Beiträge aus dem Blog regelmäßig im Präsenzunterricht zu Beginn einer Stunde aufgreifen, vorstellen und konkret zeigen, was diese Beiträge besonders macht und/ oder mich daran überrascht.

Einführung:

Besonders wichtig zum Gelingen erscheint mir eine gute Einführung in die Handhabung, aber auch in die Chancen der Arbeit mit dem Blog. Von René Scheppler habe ich gelernt, dass man hier nicht zuviel auf einmal zeigen und erwarten sollte. Ich möchte daher in der ersten Stunde einfach kurz zeigen, wie man auf die Plattform kommt, wie man sich anmeldet, wie man einen Blog anlegt und einen einfachen „Hallo Welt“-Begrüßungsbeitrag schreibt.

Anschließend erhalten die SuS direkt die erste  Aufgabe für ihren Blog, nämlich sich dort kurz vorzustellen und ihre bisherigen Erfahrungen mit Computern zu beschreiben.

Projektcharakter:

Um erste Erfahrungen zu sammeln möchte ich das ganze als Projekt auffassen und damit auch erstmal befristen, nämlich bis zu den Herbstferien. Es wird in dieser Zeit zwei Unterrichtsprojekte geben, deren Erarbeitung von den SuS auf die beschriebene Weise begleitet wird. Im überaus empfehlenswerten MOOC „Meine Schule tranformieren“ habe ich gelernt, dass SuS keine Versuchskaninchen sein sollten, sondern sie ständig in den Veränderungsprozess, in diesem Falle den Begleitungsprozess eingebunden sind. Das heißt konkret: Ich werde die SuS schon nach kurzer Zeit in Einzel- und Kleingruppengesprächen nach ihrer Erfahrung und ihrem möglichen persönlichen Nutzen fragen und ihre Beiträge aufnehmen. Sollte das Konzept von den SuS angenommen und unterstützt werden kann ich es auch in anderen Kursen anbieten. Über die Umsetzung möchte ich mich regelmäßig mit einem Kollegen austauschen, den ich aus einer anderen Schule gut kenne, und der mir hier ein „critical friend“ sein kann  (auch dieser Tipp ist aus dem gerade genannten MOOC). Seine Aufgabe ist möglicherweise auch, mich zu bremsen, wenn ich mit dem Lesen der Beiträge und Kommentar der SuS nicht mehr hinterherkomme. Hier habe ich jedoch auch in anderen MOOCs gute Erfahrungen gemacht: Man lernt auch viel, wenn man nicht alles liest. Hier hoffe ich auch auf das Verständnis der SuS, wenn ich nicht jeden Beitrag/ Kommentar lese/ beantworte. Ganz sicher werde ich die Beiträge mit den Lernprodukten lesen und kommentieren.

Auf der Suche für das kommende Schuljahr

Momentan bin ich auf der Suche nach einem Tool, dass SchülerInnen einfach und schnell nutzen können um Ihre Lernergebnisse und den Weg dorthin zu dokumentieren. Bisher habe ich dies mit online-Lernjournalen in moodle und mahara versucht, die jedoch beide offenbar zu langsam und zu kompliziert waren und deshalb nur ungern und mit Druck von meiner Seite (deshalb nicht lange – Aufwand/Ertrag muss für die SuS besser passen) genutzt wurden.

Nun bin ich über den http://web20-kurs.de/ auf WordPress, google+ und facebook gestoßen (kannte ich natürlich alle vorher schon – habe aber alle genannten noch nicht aktiv genutzt) und am überlegen, welches der genannten Tools wohl den Zweck am besten erfüllt. Google+ scheint mir bisher sehr chaotisch. Ähnliches vermute ich bei Facebook. Bleiben also Blogs. Mal sehn, was hier so geht. Ein Anfang ist also gemacht. Ich werde weiter schreiben, was mir hier bei wordpress.com direkt gut und weniger gut gefällt.

Bis dahin freue ich mich, wenn du an der folgenden Umfrage teilnimmst:

Was soll´s?

Auf diesem Blog probiere ich aus, was geht und was nicht geht bei der Nutzung von wordpress.com als kostenlosem Bloghoster. Mich interessiert vor allem, wie nutzerfreundlich die Handhabung ist und welche Möglichkeiten sich für eine Nutzung in der Schule und der Lehrerbildung ergeben.

So bin ich gespannt und versuche als nächstes erstmal, das ganze Backend irgendwie auf die deutsche Sprache umzustellen….